Habemus papam - Teil 2

 

 

 

Seit seiner Wahl zum neuen Papst ist der Argentinier in aller Munde: Papst Franziskus ist immerhin der erste Lateinamerikaner und der erste Jesuit in diesem Amt. Er wurde als Jorge Mario Bergoglio am 17. Dezember 1936 geboren und ist damit ein vergleichsweise junger Papst. Zuvor war er Kardinalpriester sowie Erzbischof von Buenos Aires.

 

 

Seine Eltern waren Italienische Auswanderer, die sich in Argentinien kennenlernten. Er ist der Älteste von fünf Geschwistern und hat einen Abschluss als Chemietechniker. Im Alter von 22 Jahren trat er in den Jesuitenorden ein und studierte Theologie. 1969 empfing er die Priesterweihe. Sein Tertiat verbrachte er in Spanien. Ab 1973 arbeitete er an der Hochschule von San Miguel. Im gleichen Jahr wurde er Provinzial der argentinischen Provinz des Jesuitenordens. Von 1980 bis 1986 stand er als Rektor der Theologischen Fakultät von San Miguel vor. Anschließend verbrachte er einige Zeit in Deutschland und Spanien. 1992 wurde Bergoglio zum Bischof geweiht; 1998 folgte die Weihe zum Erzbischof von Buenos Aires und 2001 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Kardinalpriester.

 

Am 13. März 2013 wurde er zum neuen Papst gewählt. Seinen Papst-Namen Franziskus wählte Bergoglio im Andenken an Franziskus von Assisi. Persönlich gilt der neue Papst als bescheiden, jedoch entschlossen und durchsetzungsstark. Er betont die spirituelle Rolle der Kirche und steht auf der Seite der Armen. Franziskus ist die Fortsetzung des ökumenischen Dialogs wichtig, um gemeinsam etwas für den Weltfrieden bewegen zu können.

 

Gleichgeschlechtliche Ehen lehnt Bergolio ab; 2010 kritisierte er sogar in einem offenen Brief die argentinische Regierung wegen der Einführung dieser („eine destruktive Anmaßung gegen den Plan Gottes“). Auch die Adoption von Kindern durch homosexuelle Partner lehnt er als „Diskriminierung der betroffenen Kinder“ ab. Weit fortschrittlicher sind hingegen seine Ansicht zu den Missbrauchsfällen in der Kirche: Bergoglio befürwortete offen die Aufklärung der Fälle und das Ergreifen von Konsequenzen gegen die entsprechenden Priester. Wenig erfreulich ist allerdings seine Haltung zu Abtreibung und Verhütung: In Argentinien wurden im März 2012 Abtreibungen nach Vergewaltigungen (!) legalisiert – eine Entscheidung, die Bergoglio als „bedauerlich“ bezeichnete. Auch den Gebrauch von Kondomen, selbst wenn sie zum Schutz vor HIV-Übertragung dienen sollen, lehnt Franziskus ab.

 

Bergoglios Rolle während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 wird unterschiedlich dargestellt und bewertet. Teilweise wird ihm mangelnder Abstand zur Militärdiktatur vorgeworfen, die im „Krieg“ gegen militante Guerillabewegungen bis zu 30.000 echte oder vermeintliche Regimegegner heimlich entführen, foltern und ermorden ließ (die sogenannten Desaparecidos). Kritische Stimmen sagen, er sei in seiner damaligen Funktion als Provinzial des Jesuitenordens mitverantwortlich für illegitime Gewaltanwendung des Regimes gegenüber bestimmten Personen gewesen. Andere Quellen, darunter Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel oder Menschenrechtsaktivistin Graciela Fernández Meijide, und Bergoglio selbst hingegen, verneinen dies und berichten, dass er sich für Verfolgte eingesetzt und sie gerettet habe. Der Vatikan wies die Vorwürfe in einer offiziellen Stellungnahme nach der Wahl entschieden zurück.

 

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