Polen - mitten in Mitteleuropa

Die Übersetzerin Agnieszka Bidas stellt uns im Juli ihre Heimat vor und zeigt uns Seiten von einem Land das so nahe ist und für viele doch noch recht unbekannt scheint. Wir wünschen Euch viel Spaß auf einer interessanten Entdeckungsreise durch Polen!

 

Das „kleine Rom“ Polens


Ein Winterurlaub in der Tatra, Segeln in den Masuren oder eine Städtereise in die ehemalige Kulturhauptstadt Krakau – es gibt viele Möglichkeiten mit dem Land und seinen Menschen in Berührung zu kommen. Diese Regionen sind touristisch gut erschlossen und unter den Reisenden sehr beliebt. Doch es gibt immer noch viele unentdeckte Landstriche.

 

Sandomierz, Polen
Stadtpanorama Sandomierz. (c) Andrzej Kozicki

Wer auf seiner Polenreise dem Trubel der Großstädte Warschau und Krakau entkommen und sich abseits ausgetretener Touristenpfade bewegen möchte, sollte einen Abstecher in das pittoreske Sandomierz im Südosten Polens machen. Die historische Stadt, oft als das „kleine Rom“ bezeichnet, wurde auf sieben Hügeln erbaut und liegt terrassenförmig über den Ufern der Weichsel. Die mehr als tausend Jahre alte Stadt, einst Sitz von Fürsten und königliche Residenz, verdankt ihre besondere Stellung der günstigen Lage am internationalen Handelsweg, der von Westeuropa bis in den Nahen Osten verlief.

 

Sandomierz, Polen
Altstadt von Sandomierz. (c) Ewa Sierokosz

Der Reichtum der Stadt lockte nicht nur Kaufleute aus ganz Europa, sondern auch Feinde an. Sandomierz überstand jedoch die Plünderungen durch die Tataren, die Schwedisch-Polnischen Kriege, die Einverleibung durch Österreich 1795 und schließlich die beiden Weltkriege fast unbeschadet. Die Altstadt aus dem 14. Jahrhundert gehört sogar zu den besterhaltenen in Polen. Bis heute beeindruckt sie durch ihre mittelalterliche Baukunst, die man an den zahlreichen Kirchen, Bürgerhäusern und an den Resten der Stadtbefestigung erkennt.


Verträumte Gassen laden zu entspannten Spaziergängen ein, denn in Sandomierz sind Architekturdenkmäler aus verschiedenen Bauepochen zu bewundern. Zu den ältesten und bedeutendsten Bauwerken gehören die spätromanische Jakobskirche (1226) und die gotische Kathedrale (1360), die sich am südlichen Rande der Altstadt erhebt. Die Kathedrale, in der sich gotische Ornamente mit barocker Gestaltung abwechseln, verbirgt in ihrem Inneren Fresken im byzantinischen Stil aus dem 14. Jahrhundert . Unweit der Kathedrale befindet sich das 1602 gebaute Collegium Gostomianum, eine der ältesten Schulen Polens. Das im Renaissance-Stil gehaltene Schloss, das außerhalb des Festungskomplexes auf einem Hügel liegt, bietet einen herrlichen Ausblick auf das Weichselufer. (Fotos von all diesen Bauwerken findet Ihr unten in der Bildergalerie.)


Der Eingang in die Altstadt führt durch das Opatowska-Tor (siehe Foto in der Galerie unten). Das einzige von vier erhalten gebliebene Stadttor wurde als Teil der Wehranlage im gotischen Stil errichtet und besitzt eine Renaissance-Attika sowie eine Aussichtsplattform, von der aus man beobachten kann, wie sich die Weichsel durch das Umland schlängelt.

 

Sandomierz, Polen, Rathaus
Rathaus von Sandomierz. (c) Ewa Sierokosz

In der Mitte des Marktplatzes befindet sich das Rathaus, das ursprünglich im 14. Jahrhundert errichtet, im 16. und 17. Jahrhundert jedoch umgebaut wurde und somit Elemente aus Gotik, Renaissance und Barock verbindet. Hinter dem Postgebäude beginnt die „unterirdische Touristenroute“, ein ca. 500 Meter langes Labyrinth aus dem Spätmittelalter, das bis in das 18. Jahrhundert von Kaufleuten als Speicherkeller genutzt wurde. Der verzweigte Tunnelbau erinnert an eine Legende, der zufolge die mutige Halina die Stadt vor einem weiteren Überfall der Tataren rettete, indem sie die tatarischen Truppen im Labyrinth in eine Falle führte, wo sie jedoch den Tod fand.

 

Königin-Hedwig-Schlucht, Polen
Schlucht von Königin Hedwig. (c) Ewa Sierokosz

Auch zu empfehlen ist ein Spaziergang am Weichselufer, in das Pfeffer-Gebirge rund um Sandomierz oder durch die Lößschlucht von Königin Hedwig. Bei einer Bootsfahrt auf der Weichsel kann man das Stadtpanorama von Sandomierz und die noch zum Teil naturbelassene Flusslandschaft bewundern.

 

 


Jetzt haben wir noch einige Eindrücke von Sandomierz und Umgebung für Euch. Fotos freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: Sandomierskie Towarzystwo Pasjonatów Fotografii (dt. "Verein der Fotografie-Liebhaber von Sandomierz"). 

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