Ein kleiner Ausflug nach Cambridge

King's College, Cambridge, UK
King's College vom Wasser aus.



Im zweiten Teil ihres Gastbeitrags über England nimmt uns Übersetzerin Magdalena Käfel mit auf einen Ausflug nach Cambridge.


Na, schon Lust bekommen?

King's College, Cambridge, UK
King's College.

Etwas mehr als eineinhalb Jahre lebte und arbeitete ich zwischen 2011 und 2013 in Cambridge als Übersetzerin. Nach meinem Studium in Graz hatte ich die Möglichkeit, die sich durch dieses Jobangebot für mich eröffnete, gleich genutzt und war mit Sack und Pack auf die verregnete Insel gezogen. Von der hübschen kleinen Stadt Cambridge wusste ich damals noch relativ wenig und mein einziger Eindruck stammte von einem eintägigen Ausflug, den ich einige Jahre zuvor im Zuge eines Au-pair-Aufenthaltes in Luton dorthin unternommen hatte. Die Stadt, die rund 123.000 Einwohner zählt, ist besonders für ihre Colleges berühmt – mit einem Anteil von über 20.000 Studierenden eine richtige Studentenstadt. In diesem Exkurs möchte ich Cambridge so, wie ich es kennengelernt habe, ein wenig vorstellen und von einigen Orten und Aktivitäten erzählen, die man sich dort nicht entgehen lassen sollte.

 

Ausblick von Great St. Mary's auf den Market Hill, Cambridge, UK
Ausblick von Great St. Mary's auf den Market Hill.

Das relativ kleine Ortszentrum der Stadt Cambridge erschließt sich dem neugierigen Besucher über verwinkelte, romantische Gässchen, wo es zumeist von Menschen nur so wimmelt, und man findet dort eine bunte Ansammlung von Geschäften, Cafés, Teashops und Pubs. Zudem bietet der Market Hill im Ortskern einen Dauermarkt, wo verschiedenste Kunst- und Ramschobjekte sowie feine Leckereien aus der Umgebung feilgeboten werden.

Christ's College, Cambridge, UK
Innenhof vom Christ's College.

Bei Spaziergängen durch die Altstadt von Cambridge fand ich die beeindruckenden Colleges mit ihren geheimnisvollen Gemäuern und Türmen immer besonders sehenswert. Die größeren sind nur gegen eine Gebühr für die Öffentlichkeit zugänglich, jedoch gibt es auch einige, deren Innenhöfe und Gärten frei zugänglich sind. Als Beispiele kann ich hier von meinen eigenen Rundgängen Christ’s College (in dessen Räumlichkeiten auch immer unsere Firmenweihnachtsfeier stattfand), Clare College (sogar mit Zugang zu einer Brücke über den Fluss Cam) und Pembroke College (mein Favorit mit seinem schönen Garten und der beruhigenden Atmosphäre) nennen.

Ausblick von Great St. Mary's auf das King's College, Cambridge, UK
Ausblick von Great St. Mary's auf das King's College.

Jedoch bietet sich nicht nur der Fußweg zur Betrachtung der bezaubernden Altstadt an – gegen einen kleinen Beitrag kann man unter der Woche den Turm der Universitätskirche Great St. Mary’s erklimmen (Achtung: auf der Webseite der Kirche wird auf die 123 zu bewältigenden mittelalterlichen Stufen hingewiesen und höflich – eben ganz „British“ – darauf hingewiesen, dass man den Aufstieg mit einem Herzleiden oder Ähnlichem doch lieber unterlassen möge). Von dort kann man einen Rundblick über Cambridge genießen – dies empfiehlt sich besonders an einem der schöneren Tage (derer es im Endeffekt gar nicht so wenige gibt, auch wenn es wirklich oft regnet), vor allem, da der Church Tower bei Schlechtwetter geschlossen sein könnte.

Punter, Seufzerbrücke, St. John's College, Cambridge, UK
Punter vor der Seufzerbrücke des St. John's College.

Eine weitere, sehr erlebenswerte Art und Weise, Cambridge und vor allem die Colleges einmal von einer anderen Seite kennenzulernen, ist auf dem Wasserweg. Am River Cam, der durch die Stadt fließt und an dem einige der renommiertesten Colleges (z. B. King’s College, Trinity College oder St. John’s College) liegen, werden Punting-Touren angeboten. „Punts“ sind flache Boote mit mehreren Sitzreihen, die meist von ortsansässigen Studenten, die hinten auf dem Boot stehen, mit einem langen Stab den Fluss entlang manövriert werden. Die jungen „Punter“ unterhalten dabei ihre Passagiere mit interessanten Anekdoten über die Colleges und Studierenden, historischen Fakten und auch dem gelegentlichen Smalltalk. Ich habe mir selbst drei- oder viermal, wenn ich Besuch aus der Heimat hatte, eine solche Fahrt gegönnt und es – wenn auch die Geschichten im Endeffekt immer die gleichen sind – immer sehr spannend gefunden. Möchte man eine solche Fahrt buchen, so sollte man nach jungen Menschen Aussschau halten, die mit großen Kartonschildern in der Innenstadt herumlaufen. Kleiner Tipp – feilschen könnte sich lohnen. Man kann auch selbst ein Boot mieten und sein Glück, nicht ins Wasser zu fallen, versuchen, aber diese Erfahrung habe ich selbst nie gemacht. Es soll aber laut Erzählungen von Freunden sehr lustig sein.

Shakespeare-Festival, Cambridge, UK

Wer die berühmten Collegegärten noch einmal ganz anders erleben möchte, dem kann ich das Shakespeare Festival, das jeden Sommer in Cambridge stattfindet, ans Herz legen. Vor der malerischen Kulisse der Gärten verschiedenster Colleges werden in authentischen Kostümen Shakespeare-Stücke aufgeführt. Das Besondere ist hier, dass man üblicherweise ein bis zwei Stunden vor Spielbeginn bereits in den jeweiligen Garten kommen und dort picknicken kann. Anschließend lässt man sich entspannt und angegessen von den talentierten Schauspielgruppen in eine lang vergangene Zeit entführen.

Botanischer Garten, Cambridge, UK
Botanischer Garten, Cambridge.

Wer nicht nur im Ortskern herumspazieren oder die Colleges bewundern möchte, der könnte einen Ausflug zum Fitzwilliam Museum machen, das sehr beliebt ist, und wo verschiedenste Kunstkollektionen ausgestellt sind. Zudem lohnt es sich, ein Stückchen stadtauswärts zu gehen und dem wunderschönen Botanischen Garten einen Besuch abzustatten – vor allem im Frühling, wenn alles blüht. Und für die (sagen wir) Bewussteren unter uns empfiehlt sich ein Abstecher in die Mill Road, wo sich alternative Cafés, Secondhandläden, Biogeschäfte sowie Lebensmittelshops und kleine Restaurants verschiedenster Nationalitäten jenseits des Mainstreams aneinanderreihen.

 

Pembroke College, Cambridge, UK
Pembroke College.

Und nach einem Tag voller Sightseeing und Shopping steht selbstverständlich ein Besuch in einem der urigen und gemütlichen Pubs an. Es ist jedoch gut zu wissen, dass diese üblicherweise spätestens um Mitternacht schließen – das sollte man zeitlich einplanen, falls man gerne etwas länger verweilt. Außerdem sollte man sich, wenn zu späterer Stunde eine laute Glocke ertönt, schnell noch ein letztes Getränk holen, denn dabei handelt es sich um den sogenannten „Last Call“.

Alle Fotos in diesem Beitrag: (c) Magdalena Käfel, Hannah Käfel und Eveline Käfel (2011 und 2012).

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