Law and (Dis)Order in Washington, D.C.

Portal des Nationalarchivs der USA in Washington, D.C.
Nationalarchiv der USA in Washington, D.C.




In diesem Kulturmonat erzählt uns Übersetzerin Martina Roland von ihrem Aufenthalt in Washington, D.C., und wieso Recht so viel mehr ist als trockene Gesetze.

Clerk: Do you solemnly swear that testimony you are about to give in the cause now pending before this Court shall be the truth, the whole truth, and nothing but the truth, so help you God?


Witness: Yes, I swear. I’ll say anything but the truth, nothing but the truth.


(Charles M. Sevilla, “Law and Disorder – Absurdly Funny Moments from the Courts”)

Außenansicht des amerikanischen Höchstgerichts, des U.S. Supreme Court
Außenansicht des amerikanischen Höchstgerichts, des U.S. Supreme Court.

Als ÜbersetzerInnen haben wir alle ein bestimmtes Thema, das uns besonders fasziniert. Für mich ist und war dies immer das Recht. Als Spiegelung einer sich ständig weiterentwickelnden und niemals stillstehenden Kultur zeigt es uns ganz deutlich unsere Werte, unsere Stärken und Schwächen. Nicht zuletzt deshalb arbeite ich derzeit bereits hauptsächlich als juristische Fachübersetzerin. In diesem Beitrag möchte ich versuchen, manche davon zu überzeugen, dass Recht kein wie so oft fälschlicherweise behauptet trockenes Gebiet ist, sondern ein weiterer Teil der faszinierenden Kultur jedes Landes.


Nachdem derzeit beinahe 100 % aller juristischen Texte, die ich übersetze, aus dem US-amerikanischen Raum stammen und mir dieses Rechtssystem bisher eher fremd war, verbrachte ich diesen Sommer vier Wochen in der Hauptstadt der USA, Washington, D.C., um Kurse im Bereich des amerikanischen Rechtssystems und seiner Besonderheiten zu besuchen. Und je mehr ich eintauchen durfte in diese mir so fremde Welt, umso mehr faszinierte mich, was ich erfuhr.


Und welcher Ort eignet sich besser, die Welt des Rechts zu studieren als Washington, D.C.? Sobald ich die Stadt erkundete, wurde mir bewusst, dass dies der Platz ist, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden. Ein kurzer Aufenthalt auf den Besucherrängen des Senats im Kapitol, wo man nach unzählbaren Sicherheitskontrollen Abstimmungen über ObamaCare oder Ähnliches lauschen kann, oder ein Besuch im Supreme Court, dem Höchstgericht der USA – interessanterweise jedoch nicht dem „highest court“, denn dies wäre der Basketballplatz („court“) im Obergeschoss des Supreme Court-Gebäudes – genügt, um sich der Bedeutung dieser Stadt bewusst zu werden. Hier wird über Themen wie die Ehe zwischen Homosexuellen entschieden – Entscheidungen, die die Gesellschaft und Kultur maßgeblich prägen.

Außenansicht des Kapitols „under construction“
Außenansicht des Kapitols „under construction“.

Das Kapitol – Wo die Gesetze entstehen

 

Das Wahrzeichen Washingtons, das imposante Kapitol, beherbergt den Kongress der Vereinigten Staaten. Dieser teilt sich in den Senat und das Repräsentantenhaus, wobei jedem der beiden ein Flügel des eindrucksvollen Gebäudes zugeteilt ist. Obwohl zurzeit die Kuppel, die Rotunda, des Kapitols renoviert wird, lohnt sich ein Besuch allemal. Bei einer Führung kann man diese Kuppel von innen besichtigen und erfährt interessante Details zur Geschichte des Sitzes der amerikanischen Legislative. Ich hatte das Glück, auch an einer Sitzung des Senats teilnehmen zu dürfen. Sobald man alle Sicherheitskontrollen hinter sich und einen beträchtlichen Weg im Inneren des Kapitols zurückgelegt hat, darf man an einem zugeteilten Sitz im Besucherrang Platz nehmen und auf den Beginn der Sitzung warten, die immer in alter Tradition mit einem Gebet gefolgt vom Treueeid auf die amerikanische Flagge beginnt. Und obwohl die Atmosphäre eher ungezwungen ist, viele Senatoren entweder gar nicht anwesend sind oder viel zu spät erscheinen, manche erst nach mehrmaligem Aufrufen zur Abstimmung, ist man sich doch bewusst, wie wichtige Entscheidungen hier getroffen werden und in Gesetze gegossen werden, an die sich sämtliche Bürger danach zu halten haben, und die im Zweifelsfall in einem der Gerichte verhandelt und debattiert werden. – Aber dazu mehr im nächsten Beitrag!

 

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